Mysuru

Nach unseren ersten Tagen in Bengaluru haben wir uns auf den Weg nach Mysuru (engl. Mysore) gemacht. Schon auf der Autofahrt dorthin hat diese Stadt uns einen ganz anderen Eindruck vermittelt, weil sie einfach einen spürbar anderen Flair versprüht. Da es erst unsere zweite Station in Indien ist waren wir natürlich sehr gespannt darauf, ob wir hier schon Unterschiede feststellen können.

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Im direkten Vergleich zu Bangalore scheint die Stadt etwas weniger modern zu sein. Die Stadt wirkt etwas schlichter, mit vielen alten und teilweise zerfallenen Gebäuden. Moderne Komplexe mit großen Glasfenstern und Dachterrasse gibt es kaum. In unserer Wahrnehmung macht Mysuru einen authentischen Eindruck. Das Leben der Einheimischen fühlt sich in der etwas kleineren Stadt sehr ursprünglich an, mit vielen Kühen auf den Straßen, bunten Märkten auf denen ein geschäftiges Treiben herrscht und traditioneller Kleidung. Vor allem sind uns hier die von Männern getragenen südindischen langen Wickelröcke (= Mundu) aufgefallen, welche sowohl zu besonderen Anlässen, zum Ausgehen und Tempelbesuchen (dann meistens in weiß) als auch im Alltag und zur täglichen Arbeit (bunt, gemustert) getragen werden.

Durch Zufall haben wir am ersten Tag ein tolles Restaurant entdeckt, das wir dann am zweiten Tag direkt erneut für die Mittagspause aufgesucht haben. Von der oberen Etage hat man einen perfekten Blick auf Teile des Marktes und kann das Treiben der Einheimischen beobachten. Wir wurden von einer älteren sehr sympathischen Dame bedient, die sich an uns erinnern konnte und sich beim zweiten Besuch nicht nur total gefreut hat sondern auch genau wusste was wir trinken wollen. Der Kaffee (indischer süßer Filterkaffee) war nämlich ganz hervorragend! Auf Empfehlung haben wir dann noch Mysore Masala Dosa probiert (eine Art gefüllter Pfannekuchen aus Reis und Bohnen) – auch wirklich super lecker.

Learning: Mysuru war ehemals eins der vielen eigenständigen Königreiche und Sultanate in Indien. Inzwischen ist die Stadt Teil des Bundesstaates Karnataka. Die ehemalige Königsfamilie spielt jedoch weiterhin eine bedeutende Rolle, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch mit ihrem gesellschaftlichen Status und Prestige. Der Einfluss der Familie ist im Stadtbild deutlich sichtbar, insbesondere natürlich der Königspalast sowie die vielen weiteren imposanten Türme, Brunnen und Statuen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Heutzutage hat die Königsfamilie keinerlei politische Macht, jedoch weiterhin wirtschaftlichen Einfluss, zum Beispiel auf die Entwicklung der Infrastruktur. Zudem treten sie wohl immer noch als wichtige Repräsentanten der Stadt auf und sind häufig bei wichtigen Zeremonien oder Eröffnungsfeiern von beispielsweise einem neuen Krankenhaus anwesend.

Nachdem wir am ersten Tag die Stadt einfach ein bisschen auf uns haben wirken lassen, stand am zweiten Tag der klassische Programmpunkt in Mysore an: der Königspalast (Ambas Vilas). Der Palast ist bis heute das Sinnbild für das (ehemalige) Königreich und diente den Maharadschas als Residenz. Heutzutage wohnt die Königsfamilie nicht mehr im Palast, daher ist dieser für Besucher geöffnet. Ein gigantisch großer Gebäudekomplex, mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Elementen, Traditionen und besonderen Verzierungen. Vor allem das Wappenzeichen, bestehend aus zwei Löwen-Elefanten-Figuren und einem Adler in der Mitte, fanden wir sehr spannend. Ein vermutlich einzigartiger Aspekt ist zudem die Vermischung von traditionellen hinduistischen und indisch-islamischen Komponenten. Zusätzlich ist der Palast in seiner Architektur auch von europäische Merkmalen und Einflüssen der Kolonialzeit in Indien geprägt.

Der Königspalast in Mysore stellt ein berühmtes Wahrzeichen in Südindien dar und gehört scheinbar zu den am meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Indien. Nach Einbruch der Dunkelheit strahlt der Palast in glanzvollem Licht. An einigen Tagen finden auch Lichtshows statt, dazu sind an den Außenfassaden des gesamten Palastes insgesamt 96.000 Glühbirnen angebracht. Dieses Spektakel haben wir in den zwei Tagen in Mysore jedoch nicht gesehen.

Am Abend des zweiten Tages sollte es dann mit dem Nachtbus auch schon wieder weitergehen, weiter in Richtung Süden zur nächsten Station.

1 Kommentar zu „Mysuru“

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