Im Wandel: Zwischen Geheimtipp und ungewisser Zukunft
Tag 101 bis 105 – Die Halong Bucht gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Vietnam und bietet ein besonderes Naturerlebnis. Seit 1994 ist die Halong Bucht UNESCO Weltnaturerbe und zieht zahlreiche Besucher aus aller Welt an. In den letzten Jahren ist die Anzahl an Touristen immer weiter gestiegen und hat für so einige Veränderungen in der Region gesorgt. Wir haben häufiger von der kleinen Insel Cat Ba als Geheimtipp und tollem gemütlichen Ort gelesen. Vor 2-3 Jahren waren sehr gute Freunde von uns hier und haben uns tolle Fotos von der Promenade, mit richtig gemütlichen Flair und beeindruckende Landschaftsbilder gezeigt. Unser Eindruck von der Insel sollte leider ein ganz anderer sein… Die Halong Bucht selbst ist und bleibt einzigartig! Jedoch findet auch in dieser Hinsicht stetige Veränderung statt.
Karte
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Das absolute Highlight ist natürlich eine Bootstour durch die Halong Bucht. Da waren wir uns im Vorfeld nicht sicher, welche Art von Bootstour wir machen wollen und mit welchem Anbieter. Dementsprechend haben wir nicht im Voraus gebucht, sondern wollten uns vor Ort vom Angebot überzeugen lassen. Im Endeffekt haben wir uns dann doch auf persönliche Empfehlungen verlassen und eine zweitägige Bootstour bei einem etwas teureren, luxuriösen Schiffsinhaber gebucht, die jedoch viel Wert auf gute Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeitenden, faire Bezahlung und Nachhaltigkeit (insbesondere Müll und Wasserverunreinigung) achten. Das scheint leider nicht der Standard zu sein. Das Glück war auf unserer Seite, wir haben die letzten beiden freien Plätze für eine Tour am übernächsten Morgen bekommen (ansonsten war für die nächsten 2-3 Wochen komplett ausgebucht) und haben dann auch noch eine tolle Gruppe Menschen erwischt.
Programm auf der Bootstour:
Tag 1: Treffpunkt am Reisebüro – Abfahrt im Hafen – Schwimmstopp – Mittagessen – Wechsel vom Ausflugsboot auf das Segelschiff mit Schlafkabinen – Kajak fahren durch Höhlen in versteckte Lagunen – Zeit zum entspannen (kaltes Radler!) – nette Gesprächsrunde auf dem Deck mit einigen anderen – Abendessen – Kalmaris Fischen
Tag 2: Frühstück – Kajak fahren (ähnlich wie am Vortag) – Schwimmstopp – Mittagessen – Wechsel zurück zum Ausflugsboot (Tausch mit der nächsten Gruppe) – Rückfahrt – schwimmendes Fischerdorf und Fischzucht (sehr spannend!) – Rückfahrt zum Reisebüro
Persönliches Fazit der Bootstour
- Fantastisches Essen, frisch auf dem Boot zubereitet und (zu) viel Auswahl – wirklich super lecker!
- Glück mit der Reisegruppe: nette Menschen mit denen man gut Zeit verbringen und sich über alles mögliche unterhalten konnte, insbesondere natürlich die zwei anderen Paare und eine weitere Einzelperson aus Deutschland. Ansonsten waren noch zwei befreundete italienische Familien mit mehreren Kindern an Bord, die natürlich viel Zeit unter sich verbracht haben.
- Top Guide! – Ben (englischer Name als Guide) hat wirklich viel dazu beigetragen, dass die Tour ein besonderes Erlebnis war. Er kennt sich bestens aus und hat viele spannende Geschichten zu Land und Leuten in der Region und Vietnam im allgemeinen erzählt. Das stets auf eine eine sehr angenehme und lockere Art und mit so einigen Witzen zwischendurch, die bei der gesamten Reisegruppe für gute Laune gesorgt haben.
- Coole Aktionen, bei denen wir sehr viel Spaß hatten! Und ein geniales Boot mit gemütlichem Sonnendeck, geräumigem Innenraum und sehr luxuriösen Kabinen mit eigenem Badezimmer und Dusche.
- Faszinierende Landschaft! Nur das Wetter hat leider nicht mitgespielt. Am ersten Tag war es durchgehend bewölkt und hat zwischenzeitlich geregnet, dadurch lag ein Dunst in der Luft der die Sicht eingeschränkt hat. Am zweiten Tag hatten wir dann zumindest im Vormittag beim Kajak fahren blauen Himmel und Sonne. Das sollte sich jedoch mit dem Mittagessen wieder wandeln und erneut in Regenschauer umschlagen. Der Regen hat uns zwar nicht sonderlich eingeschränkt, aber auf den Ausblick hat sich der graue Dunst und leichte Nebel doch schon negativ ausgewirkt. Dadurch wirkte einfach alles etwas trist. In Kombination mit Bens Hintergrundinformationen zum Wandel, der in der Region rund um die Halong Bucht stattfindet hat das unsere Wahrnehmung natürlich geprägt. Insgesamt würden wir die Halong Bucht weiterempfehlen, jedoch auch kritisch bewerten und persönlich wahrscheinlich immer andere der vielen wunderbaren Orte auf der Reise vorziehen.
Cat Ba und die Halong Bucht im Wandel
Während der zweitägigen Bootstour hat uns unser Guide Ben ein paar Ding zu den Baumaßnahmen und Großprojekt vor der Küste von Cat Ba erzählt. Die schönen Bilder von der einladenden Promenade und gemütlichen Atmosphäre auf der kleinen Insel entsprechen nämlich leider nicht mehr der Wahrheit. Die Restaurants und Hotels, die noch vor kurzer Zeit mit Meerblick und Lage in erster Reihe werben konnten haben nun eine gigantische Baustelle als Ausblick für ihre Gäste zu bieten. Vor der Promenade wurde zum Zeitpunkt unseres Besuchs eine mehrere Kilometer breiter Streifen mit Sand aufgeschüttet, um dort neue Bauprojekt zu realisieren.
- Vietnamesicher Investor (nicht ausländisch wie von uns vermutet): Eine reiche und Firma mit viel Macht und großen Projekte im ganzen Land
- Idee Schwebebahn: Cat Ba ist aktuell entweder mit der Fähre oder per Schwebebahn an der Seite mit der kürzesten Distanz zum Festland zu erreichen. Der Wunsch des Investors war es die Verlängerung der Bahnstrecke über die gesamte Insel bis hin zu neuen Stadt (Fun Fact: Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich die längste Schwebebahn der Welt – den Witz hat Ben an dieser Stelle gemacht). Diese und einige weitere Ideen und Maßnahmen im Zuge des Bauvorhabens konnten zum Glück verboten werden, weil 2023 das gesamte Naturareal und mehrere Gebiete rund um die Halong Bucht zum Erhalt dieser und allgemeinem Naturschutz ebenfalls zum UNSECO Weltnaturerbe erklärt wurden.
- Ziel: Vietnam und aktuelle Geheimspots wie Cat Ba für reiche Touristen und ausländische Investoren attraktiv machen, indem eine neue Welt geschaffen wird.
- Bedeutung für die Einheimischen: kurzfristige Vorteile (z.B.: viele Jobs), aber langfristige Nachteile – Die Art von Touristen, die bisher gekommen ist um die wunderschöne Insel und das fast unberührte Naturparadies zu bewundern und gleichzeitig dem Massentourismus anderer Orts zu entfliehen, wird vermutlich ausbleiben bzw. drastisch sinken. Die neue Gruppe von Touristen wird mutmaßlich Luxus, berühmte Orte (z.B.: längste Seilbahn der Welt) und moderne Trends suchen. Entsprechend werden die kleinen Hotels im lokalen Baustil und authentische Restaurants voraussichtlich leer bleiben, wenn es in der neuen „Stadt“ doch alles gibt von Meerblick, Restaurants, schicke Bars, Wellness- und Freizeitangebote, Tourenorganisation und all-inklusive-Angebote.
Nach der Bootstour haben wir noch zwei weitere Nächte auf Cat Ba verbracht, zum Arbeiten (Jens) und für eine besondere Aktion, die man nur an sehr wenigen Orten auf der Welt so erleben kann. Mehr dazu werdet ihr dann im nächsten Blogbeitrag erfahren.



Toller Bericht und trotz des nicht so guten Wetters super Fotos.
Ich selbst war vor über 20 Jahren dort und es war wirklich idyllisch.
Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Teil Eurer Geschichte!
Liebe Grüße, auch von Achim, aus Ostanatolien